Aktivierung und Entspannung
Angemessene Aktivierung und Entspannung kann die Lebensfreude von Menschen mit Demenz erhalten. Sie fördert Fähigkeiten wie Mobilität, soziale Kompetenzen und geistige Fitness. Aber nicht alle Menschen wünschen Animation, manche suchen Ruhe und Entspannung.
Viele Heime werben damit, dass sie Aktivitäten anbieten: Gymnastik, Turnen, Wandern oder Yoga fördern die Motorik. Kreative Angebote wie Malen, Zeichnen, Sticken, Häkeln und Werken können inspirieren. Und Gesprächsrunden, Gedächtnistraining, Filmvorführungen oder Vorlesen regen den Geist an, nicht nur im Heim, auch zu Hause.
➔ Hier geht’s zur Broschüre «Miteinander aktiv» der Deutschen Alzheimer Gesellschaft
Menschen mit beginnender Demenz können im Alltag helfen und einkaufen, Wäsche zusammenlegen, miteinander kochen und backen. So erfahren sie sich als nützlich und bleiben fit. Nicht alle Aktivitäten gelingen jeden Tag und zu jeder Tageszeit gleich gut. Fähigkeiten schwanken und gehen im Verlauf der Krankheit verloren.
Es gilt, diese Kompetenzen, aber auch die Grenzen des Menschen mit Demenz zu berücksichtigen: Im Lauf der Zeit werden gewisse Tätigkeiten für die Erkrankten zu komplex. Dann hilft es, sich auf einzelne Elemente zu konzentrieren, indem man beispielsweise den schwierigen Teil einer Arbeit selbst übernimmt und die betroffene Person noch den einfacheren Schluss verrichten lässt.
Einen Kuchen wird sie vielleicht nicht mehr selber backen können, aber die Zutaten vermischen und am Ende den Zuckerguss verstreichen, das geht noch gut!
Beziehung durch Gemeinsames Tun
Geeignete Aktivitäten haben auch positive Wirkungen auf Angehörige und Betreuende. Sie können Konflikte und schwieriges Verhalten reduzieren; darüber hinaus ermöglichen sie, gemeinsam Freude zu erleben. Bei einem Spiel, beim Musizieren und bei vielen weiteren Aktivitäten kann man mit der erkrankten Person in eine neue Beziehung treten.
Wichtig ist, dass man immer das Wohl des Kranken im Blick hat – und ihn nicht aus einem schlechten Gewissen heraus beschäftigen will – weil man es nicht erträgt, dass er einfach da sitzt und irgendetwas anschaut. In der Beschäftigung und Aktivierung von Menschen mit Demenz gibt es keine Patentrezepte. Jeder Mensch ist einzigartig und braucht eine einzigartige Betreuung.
➔ Hier geht es zu einem Beispiel musikalischer Aktivierung/Musiktherapie
➔ Hier geht’s zur Broschüre «Den Alltag aktiv gestalten» von Alzheimer Schweiz
Entspannung
Die einen möchten tanzen, die anderen dösen oder ein Entspannungsbad nehmen. Menschen mit Demenz haben ebenso individuelle Wünsche und Bedürfnisse wie gesunde Menschen. Angehörige daheim und Pflegende im Heim müssen versuchen, den Gemütszustand der Demenzkranken richtig einzuschätzen. Nicht immer ist Aktivierung angesagt.
Entspannend wirken unter anderem folgenden Angebote:
- Basale Stimulation
- Aromatherapie
- Ruhige Musik
- Wellness (Voll- oder Fussbad, Massagen etc.)
- Massagen
- Yoga
- Spaziergänge
Angebote für Männer
Die meisten Altenpflegenden sind weiblich. Die Angebote sind deshalb oftmals auf ältere Frauen ausgerichtet. Viele Männer fühlen sich vom Sitztanz, Wäschefalten, Basteln, Kuchenbacken und Mandalas malen weniger angesprochen. Sie haben andere Interessen: Sitzfussball oder Arbeiten mit Holz, Männergesprächsrunden oder dem Hausmeister assistieren sind nur Beispiele für möglicherweise attraktivere Optionen.
➔ Hier geht es zum Literaturtipp «Aktivierung und Beschäftigung für Männer»
Hilfsmittel
Der «Actiboy», den das Demenzzentrum Sonnweid in Wetzikon entwickelt hat, unterstützt bei der Aktivierung von Menschen mit Demenz. Das Möbelstück auf Rollen enthält Hilfsmaterialien und Anleitungen für den Betreuungsalltag.
Wenn Pflegenden und Betreuenden im Alltag das Repertoire ausgeht und die Schublade mit Spielen nichts mehr hergibt, ermöglicht das Material im «Actiboy» Zugang zu den Menschen durch Singen, Musizieren, Lesen, Wecken von Erinnerungen, Bewegen, Malen und Gestalten. Zum Beispiel enthält er Liedertexte mit CD, Sammlungen von Sprichwörtern, Würfel, Bälle, Mandalavorlagen und ein Tastmemory.
Die Beschäftigung mit der Geschichte
Biografiearbeit ist die Beschäftigung mit der Lebensgeschichte eines Menschen. Für ältere Menschen kann es beruhigend sein, sich zu erinnern und die Vergangenheit neu zu bewerten.
Wenn die Erinnerungen bei demenzkranken Menschen vergehen, ist das schmerzhaft. Alles, was sie erlebt haben, hinterlässt Wissen und Emotionen. Über die Bedeutung der Biografie in der täglichen Betreuung der Demenzkranken gibt es aber unterschiedliche Ansichten.
Manche Fachleute meinen, das Hier und Jetzt sei prioritär. Andere dagegen legen Wert auf die Vergangenheit. Was Menschen mit Demenz vor ihrer Erkrankung erlebt haben, kann also, muss aber nicht immer von Belang sein in der täglichen Betreuung.
Dörfer im Stil der 1950er-Jahre, Möbel aus den 1960er-Jahren und Nippes aus längst vergangenen Zeiten: Viele Altersheime zelebrieren Nostalgie. Manchmal hilft dies den Angehörigen und Betreuenden mehr als den Betroffenen selbst.
In den meisten Heimen sind die Zimmer der Bewohner persönlich ausgestattet. Es gibt Fotos, Erinnerungsstücke und Möbel, die der Bewohner schon lange hat. Man sollte aufmerksam sein und realisieren, wenn persönliche Gegenstände den Menschen mit Demenz zunehmend fremd werden. Man kann es am Verhalten erkennen.
«Menschen dürfen ihrer Biografie nicht beraubt werden – aber man darf sie ihnen auch nicht aufdrängen», sagt der Zürcher Gerontopsychiater Christoph Held im Interview mit alzheimer.ch:
Der Schriftsteller Arno Geiger schreibt im Buch «Der alte König in seinem Exil» vom Vater, der in seinem Wohnzimmer sitzt: «Wenn er sagte, dass er nach Hause gehe, richtete sich diese Absicht in Wahrheit nicht gegen den Ort, von dem er weg wollte, sondern gegen die Situation, in der er sich fremd und unglücklich fühlte.»
Gemeint war also die Krankheit. Wir laufen Gefahr, zu interpretieren. Der Wunsch, nach Hause zu gehen, hat oft nichts mit dem Zuhause von früher zu tun. Es kann auch auf etwas anderes bedeuten.
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