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Validation

Validation steht für eine Methode, Haltung und Kommunikationsform im Umgang mit Menschen mit Demenz. Wer validiert, «geht in den Schuhen des anderen». Er stärkt und festigt seine Mitmenschen, indem er empathisch und aufmerksam ist.

Validation kann verhindern, dass Patienten den Rückzug in ein Vegetieren antreten. Sie versucht, trotz aller Einschränkung die seelische Balance zu halten, um bis zum Ende in Frieden mit sich und der Welt zu altern. Das Validieren ist eine Kommunikationsform, die von einer akzeptierenden, nicht korrigierenden Sprache geprägt ist, welche die Bedürfnisse des Menschen zu verstehen und zu spiegeln versucht. 

Unerledigte Aufgaben aufarbeiten 

Validation wurde von der US-Amerikanerin Naomi Feil entwickelt. Sie ging davon aus, dass alte desorientierte Menschen danach streben, unerledigte Aufgaben ihres Lebens aufzuarbeiten. Validation soll die Menschen dabei unterstützen. Nicole Richard, eine deutsche Psychogerontologin, entwickelte die Methode weiter und nannte sie Integrative Validation.

Quelle YouTube/Marcus May

Ihr geht es darum, Menschen mit Demenz in ihrem aktuellen Sein anzunehmen. Das macht sie ruhiger, weil sie sich verstanden fühlen. Beide Ansätze vermischen und ergänzen sich oft heute. Validation ist keine Therapie und will nicht heilen, sondern begleiten und entlasten

Naomi Feil

Naomi Feil wurde 1932 in München geboren, als sich die Machtübernahme der Nationalsozialisten anbahnte und mit ihr eine Ideologie, die sich auf ihre Fahne geschrieben hatte, «lebensunwertes Leben auszumerzen». Zu den Millionen Opfern gehörten neben Juden auch Behinderte und Kranke jeden Alters, die unter dem Begriff der Euthanasie umgebracht wurden. 

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Naomi Feil war erst vier Jahre alt, als sie mit ihren Eltern in die Vereinigten Staaten emigrieren musste. Diese Erfahrung hat ihr späteres Engagement für hilfsbedürftige Menschen geprägt, ebenso das Umfeld, in dem sie nach der Flucht aufwuchs.

Es war das Montefiore-Pflegeheim in Cleveland, Ohio, das ihr Vater leitete und in dem ihre Mutter als Therapeutin arbeitete. Naomi Feil erlebte von kleinauf, wie sich die Eltern bemühten, Bewohnern einen menschenwürdigen Lebensabend zu bereiten. 

Kommunikation lief ins Leere

Sie erkannte jedoch bald, dass die Ansätze, mit ihnen zu kommunizieren, oft ins Leere liefen. Nachdem sie an der Columbia Universität ihren Master in Sozialarbeit absolviert hatte, begann sie einen eigenen Weg zum Verständnis alter Menschen einzuschlagen. Voraussetzung dafür sei, so Feil, sie so zu akzeptieren, wie sie sind, «um ihnen zu helfen, ihre Ziele zu erreichen – und nicht etwa unsere». 

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«Auf demenzjournal.com und demenzwiki.com finden sich die Informationen, die ich gebraucht hätte, als ich in meiner Familie bei diesem Thema am Anfang stand.»

Arno Geiger, Schriftsteller (Der alte König in seinem Exil)

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Einige Grundsätze der Validation nach Naomi Feil: 

  • Alle Menschen sind einzigartig und müssen als Individuen behandelt werden.
  • Es gibt einen Grund für das Verhalten von verwirrten, alten Menschen.
  • Sehr alte Menschen kann man nicht dazu zwingen, ihr Verhalten zu ändern. Ein Mensch verändert sein Verhalten nur, wenn er es will.
  • Sehr alte Menschen muss man akzeptieren, ohne sie zu beurteilen.
  • Wenn das Kurzzeitgedächtnis nachlässt, versuchen ältere Erwachsene, ihr Leben wieder in ein Gleichgewicht zu bringen, indem sie auf frühere Erinnerungen zurückgreifen. 
  • Schmerzende Gefühle, die ausgedrückt, anerkannt und von einer vertrauten Pflegeperson validiert werden, werden schwächer. Wenn man sie ignoriert und unterdrückt, werden sie stärker. 
  • Einfühlung und Mitgefühl führen zu Vertrauen, verringern Angst und stellen Würde her.   

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Die vier Phasen der Demenz nach Naomi Feil: 

  • Die Phase Eins betrifft Menschen mit Demenz, die oft noch zu Hause leben. Sie bezeichnet sie als mangelhaft oder unglücklich orientiert
  • In der Phase Zwei sind die Betroffenen zeitverwirrt und leben meist schon in Heimen. 
  • Phase Drei, die unter der etwas vagen Überschrift sich wiederholende Bewegungen steht, schildert die Validation von Menschen, die kognitiv, körperlich, sozial und psychisch so stark retardiert sind, dass sie oft nur noch durch Berührungen und Bewegungen zu erreichen sind, in glücklichen Momenten auch durch Musik.
  • Phase Vier, die den Titel Vegetieren trägt, behandelt den Dämmerzustand, in den Menschen versinken, wenn sie nicht mehr angesprochen und wahrgenommen werden.

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Ein Beispiel für Validation

Naomi Feil schildert den Fall einer alten Dame, die noch recht gut für sich selbst sorgen konnte, aber schon sehr vergesslich war. Sie wohnte noch zuhause und wurde von ihrem Sohn betreut, der es geduldig hinnahm, wenn seine Mutter immer wieder dieselben Geschichten auftischte, der auch darüber hinwegsah, dass sie ihm vorwarf, ihre Brille oder andere Sachen, die sie verlegt hatte, gestohlen zu haben. 

Wasser im Wohnzimmer

Als sie jedoch über Wochen darüber klagte, dass aus der Wohnzimmerwand ständig Wasser rinne, wusste er nicht mehr weiter. Kein Argument half, auch nicht der Augenschein. Das Jammern über die Wasserpest an der Wand steigerte sich und schien sich zu einer Wahnvorstellung zu entwickeln. In seiner Not bat er eine Validations-Expertin um Hilfe, die das Gespräch protokolliert hat.

Alte Dame, sehr aufgeregt: «Da, sehen Sie, überall Wasser! Überall Wasser!»

Validations-Expertin: «Aus der Wand kommt Wasser! Seit wann geht das denn schon so?»

Alte Dame, verzweifelt: «Na, schon seit Tagen! Niemand glaubt mir. Ich war im Krankenhaus und seit ich wieder hier bin, rinnt Wasser aus der Wand. Mein Sohn sagt, ich sei verrückt

Validations-Expertin: «Ist denn viel nass geworden? Wie schaffen Sie es bloss, alles trocken zu kriegen?»

Alte Dame, schon etwas ruhiger: «Ja, alles nass, das Bett, der Boden. Es ist nicht einfach, ich kann nicht mehr so wie früher.»

Validations-Expertin: «Was fällt Ihnen denn am schwersten?»

Alte Dame, nachdenklich: «Ich kann nichts mehr in die Hand nehmen. Alles fällt mir runter. Hier, sehen Sie meine Hände! Man ist nichts mehr wert, wenn man nichts mehr alleine machen kann.»

Validations-Expertin: «Fällt es Ihnen schwer, Hilfe anzunehmen?»

Alte Dame, etwas traurig, aber viel entspannter: «Ja, schon. Früher hat man ja alles alleine gemacht. Zum Glück habe ich ja noch meinen Sohn. Er ist für mich da, wenn ich nicht mehr kann.»

Besonders demenzkranke Menschen brauchen Gesprächspartner, die ihnen die richtigen Fragen stellen und Zuhörer, die ihre Gefühle anerkennen und keine Diskussion über die Wahrheit ihrer Behauptungen anzetteln. Grundsätzlich gilt, dass man das Verhalten der Betroffenen so akzeptieren sollte, wie es ist und nicht, wie es nach den Vorstellungen der Betreuenden sein sollte. 

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Wasser aus der Hand – und auf der Wand

Das Ergebnis des Gesprächs über die Versagensängste der alten Dame spendet einen tröstlichen Moment für Mutter und Sohn. Möglich, dass sie bald wieder über Wasser klagen wird, das aus der Wand rinnt, weil sie sich nicht eingestehen will, dass ihr regelmässig ein Glas oder eine Tasse aus der Hand fällt. 

Dennoch tut es ihr gut, dass man ihre Ängste und Sorgen ernst genommen hat. Mit einer einmaligen Validation ist es indes nicht getan. In jeder Phase sind regelmässig solche Gespräche nötig, damit der Patient eine seelische Balance gewinnt.

Quelle YouTube

So geht validierende Kommunikation:

  • Widersprechen Sie einem verwirrten Menschen nie und lassen Sie sich auf seine Welt ein.
  • Lassen Sie sich von den Bedürfnissen und Gefühlen leiten, die Ihr verwirrtes Gegenüber signalisiert, nicht von seinen Aussagen.
  • Führen Sie Gespräche ruhig, klar, verständlich, wertschätzend und eindeutig.
  • Verwenden Sie W-Fragen wie «wer, was, wo, wie, wann» – vermeiden Sie «warum». «Warum» verlangt eine logische Erklärung, wozu aber demenziell Erkrankte in der Regel nicht fähig sind.
  • Sprechen Sie Ihr Gegenüber von vorne, auf Augenhöhe an.
  • Geben Sie dem Menschen mit Demenz ausreichend Zeit, um das Gesagte zu verstehen.
  • Vermeiden Sie Schachtelsätze, die meist verwirrend sind. Verwenden Sie pro Satz eine Mitteilung.
  • Verwenden Sie nonverbale Kommunikation und intensivieren Sie die eigenen Worte mit Gestik, Mimik und Tonfall.
  • Lügen Sie nicht: Ein Mensch mit Demenz merkt jegliches «Theater spielen».

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Quelle: www.demenz-portal.at

➔ Naomi Feil, Validation in Anwendung und Beispielen. Der Umgang mit verwirrten alten Menschen, Ernst Reinhardt Verlag, 2010

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