Demenzformen
Demenz ist ein Überbegriff für mehr als hundert chronisch-fortschreitende Gehirnerkrankungen. Sie beeinträchtigen vor allem das Erinnerungsvermögen und führen zum Verlust der Selbständigkeit.
Man unterscheidet zwischen primären und sekundären Formen der Demenz: Bei den primären Formen, die neunzig Prozent aller Fälle ausmachen, beginnt der Krankheitsprozess direkt im Hirn. Alzheimer ist mit rund 60 Prozent aller diagnostizierten Fälle die häufigste primäre Form.
Sekundäre Demenzen sind Folgen anderer Erkrankungen: Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes, Schlaganfälle oder Hirntumore können Ursachen sein. Während primäre Demenzformen als unheilbar gelten, sind bei sekundären Arten die Heilungschancen nicht ausgeschlossen.
Auch manche körperliche und psychische Krankheiten können ähnliche Störungen hervorrufen wie eine Demenz. Ursachen sind Depressionen, Stoffwechselstörungen sowie Alkohol- und Medikamentenmissbrauch.
Die häufigsten Demenzformen
Alzheimer-Demenz
Die nach ihrem Entdecker Alois Alzheimer benannte, 1906 erstmals beschriebene Krankheit führt zum Abbau von Nervenzellen im Gehirn, die wichtige Funktionen wie Gedächtnis, Sprache, Planen, Handeln und die zeitliche und räumliche Orientierung steuern. Was zu krankhaften Veränderungen führt, wissen Wissenschaftler trotz jahrelangen intensiven Forschungen von Teams in aller Welt noch nicht.
Sie gehen davon aus, dass mehrere Faktoren die Ursache sind. Es existiert kein Test, der Alzheimer mit Sicherheit nachweist, schon gar nicht im frühen Stadium. Forscher sind sich einig, dass die degenerativen Veränderungen im Hirn schon Jahre oder Jahrzehnte vor ersten wahrnehmbaren Symptomen einsetzen.
Das Erkrankungsrisiko steigt mit dem Alter. Weltweit sind 36 Millionen Menschen von Alzheimer betroffen. Die wahrnehmbare Krankheitsdauer beträgt im Durchschnitt sieben bis neun Jahre. Es gibt auch seltene Formen der Alzheimer-Krankheit, bei denen sich bereits früher erste Symptome zeigen, manchmal schon im Alter von 30 Jahren.
Vaskuläre Demenz
Vaskuläre oder gefässbedingte Demenzen, die 20 Prozent aller Fälle ausmachen, sind auf Ursachen wie Bluthochdruck und Diabetes zurückzuführen. Auch Insulinresistenz, Rauchen, Bewegungsmangel und erhöhte Blutfettwerte erhöhen das Risiko, an einer vaskulären Demenz zu erkranken.
Durchblutungsstörungen im Gehirn führen zum Absterben von Hirnzellen. Sie sind wiederum Folge geschädigter Blutgefässe, etwa durch Gefässverengungen, -entzündungen oder -blutungen. Dabei können sehr kleine Blutgefässe geschädigt (Morbus Binswanger) oder mehrere kleine Gehirnregionen durch Multiinfarkte zerstört sein. Ein Hirnschlag beschädigt grössere Hirnareale. Viele Mikro-Infarkte dagegen geschehen ganz unbemerkt.
Frontotemporale Demenz (Pick-Krankheit)
Frontotemporale Demenz (FTD) ist nach Alzheimer und vaskulärer Demenz die dritthäufigste Form. Sie ist eine Krankheit, bei der Nervenzellen vor allem im Stirn- und Schläfenbereich (= frontaler und temporaler Lappen) des Gehirns absterben. Von hier aus werden unter anderem Emotionen und Sozialverhalten kontrolliert.
➔ Hier geht’s zum Infoblatt FTD der Deutschen Alzheimer Gesellschaft
Frontotemporale Demenzen beginnen meist früher als die Alzheimer-Krankheit, zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr. Bei fast allen Patienten fallen gleich zu Beginn der Erkrankung Veränderungen der Persönlichkeit und des zwischenmenschlichen Verhaltens auf. Die Betroffenen sind oft teilnahmslos, reizbar, taktlos und enthemmt.
Typisch ist auch ein verändertes Essverhalten. Sie essen phasenweise extrem viel und haben andere Vorlieben als früher, und sie vernachlässigen ihre Körperhygiene. Manche haben Sprachstörungen. Im weiteren Verlauf kommt es zur Beeinträchtigung des Gedächtnisses, aber lange Zeit nicht so ausgeprägt wie bei Alzheimer.
Die Diagnose der Frontotemporalen Demenz kann schwierig sein, weil es oft zu Verwechslungen mit psychischen Störungen wie Depression, Burn-out, Schizophrenie oder Manie kommt. Gelingt dem Arzt eine frühzeitige Diagnose, hilft das den Angehörigen, weil sie eine Erklärung für das merkwürdige Verhalten und die Wesensänderung der Betroffenen haben.
Was zum Absterben der Nervenzellen führt, weiss man nicht. Es gibt auch keine gezielte Therapiemöglichkeit. Medikamente wie Antidepressiva können höchstens Verhaltensauffälligkeiten mildern. Patienten mit FTD sind meist nicht einsichtig, ihnen ist nicht bewusst, dass etwas im Gehirn nicht in Ordnung ist.
Bei der Deutschen Alzheimer Gesellschaft und bei Alzheimer Schweiz gibt es Gesprächsgruppen für Angehörige von Menschen mit Demenz.
Lewy-Body-Demenz (Lewy Körperchen)
Nach Ausbruch dieser Demenzform treten Störungen auf, die dem Parkinson-Syndrom ähneln: Muskelsteifheit und Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht. Patienten verlieren nicht nur das Gedächtnis, sondern leiden auch unter Halluzinationen. Sie sehen Menschen oder Tiere, nehmen Stimmen, Musik und Geräusche wahr – auch wenn niemand oder nichts da ist. Ihre geistigen Fähigkeiten und ihre Wachheit schwanken tagsüber.
➔ Hier geht’s zu einem Artikel über Halluzinationen von Menschen mit Lewy Body
Viele leiden früh unter Inkontinenz, niedrigem Blutdruck, sie stürzen häufig und verlieren minutenlang das Bewusstsein. Nach rund einem Jahr weisen die Patienten ähnliche Symptome wie bei Parkinson auf: Zittern der Hände, langsame Bewegungen, Muskelsteife, vornübergebeugtes Trippeln. Erst später beeinträchtigt die Krankheit das Sprachvermögen. Im Laufe der Zeit sind die Betroffenen immer weniger mobil und schliesslich bettlägerig.
Parkinson-Demenz
Etwa 40 Prozent der Menschen mit Parkinson-Krankheit werden im Verlauf ihrer Erkrankung dement. Vergeht mehr als ein Jahr zwischen dem Auftreten der motorischen und der kognitiven Symptome, spricht man von einer Morbus Parkinson plus Demenz (auch Parkinson-Demenz).
Wissenschaftler gehen davon aus, dass es viele Mischformen der Demenz Typ Alzheimer, Lewy-Körperchen und Parkinson gibt, mit fliessenden Übergängen dazwischen.
Korsakow-Syndrom (Morbus Korsakow)
Diese Demenzform äussert sich vor allem in einer ausgeprägten Störung, sich Informationen zu merken. Die Betroffenen neigen dazu, ihre Orientierungs- und Gedächtnislücken mit erfundenen Geschichten zu kompensieren. Hauptursache des Korsakow-Syndroms ist übermässiger Alkoholkonsum über längere Zeit.
Diagnose
Die Diagnose einer bestimmten Demenzform kann nur in einem mehrstufigen Verfahren von Spezialisten vorgenommen werden. Es ist wichtig, dass die Art der Demenz diagnostiziert ist, dies hilft den Betroffenen und den Angehörigen beim Umgang mit den zunehmenden Defiziten.
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