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Fehlende Krankheitseinsicht

Einsicht ist der erste Weg zur Besserung, sagt ein Sprichwort. Doch viele Demenzkranke bagatellisieren und verleugnen ihre Beschwerden. Für ihr nahes Umfeld ist das eine grosse Herausforderung.

«Krankheitseinsicht» bezeichnet zunächst ganz einfach das Verständnis und die Akzeptanz für die Tatsache, dass Körper oder Geist nicht gesund sind. Den meisten Menschen mit grippalem Infekt fällt es beispielsweise leicht, sich als «krank» zu bezeichnen, weil sie Kopf- und Gliederschmerzen, Husten, Schnupfen oder Fieber entsprechend zuordnen

Doch nicht bei allen Krankheiten gibt es dieses übereinstimmende Erleben. Wo es fehlt, verhalten sich die Betroffenen in der Folge nicht entsprechend ihrer Erkrankung. Sie verweigern unter anderem Arzttermine, Therapien oder Krankenhausaufenthalte. Speziell trifft dies bei einer Demenzerkrankung zu. Demenz ist nach wie vor stigmatisiert, und die Betroffenen möchten von der Öffentlichkeit nicht als «Mensch ohne Geist» wahrgenommen werden. 

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Die Gründe für eine fehlende Krankheitseinsicht sind unterschiedlich: Um sich krank zu fühlen, müssen Betroffene beispielsweise Leidensdruck haben. Und sie müssen verstehen, dass ihr Verhalten, ihre Emotionen oder ihre körperlichen Symptome von der Norm abweichen. Zudem kann der Mangel an Krankheitseinsicht eine Form der Abwehr sein, ein Aufrechterhalten der Fassade, nach dem Motto «Ich ignoriere, was da ist, um es mir auf diese Weise vom Leib zu halten». 

Weigerung und Abschieben der Schuld

Diese Weigerung, die Realität anzuerkennen und anzunehmen, ist typisch zu Beginn einer Alzheimer-Demenz. So vertuschen die Betroffenen, Gegenstände verloren zu haben oder den Weg nicht zu wissen. Mitunter beschuldigen sie andere, sie bestohlen oder in die Falle gelockt zu haben. Schuld sind sowieso immer die anderen: Der Mangel an Krankheitseinsicht zu Beginn einer Demenz wird deshalb in erster Linie für das nächste Umfeld zum Problem.

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Denn es sind die Angehörigen, die von Anfang an unter der Persönlichkeitsveränderung leiden und sich Sorgen machen. Die Betroffenen selbst klagen zwar zum Teil über Leistungseinschränkungen, schieben solches Erleben aber auf ihr fortgeschrittenes Alter oder auf andere Umstände. Nur wenige befürchten eine «echte Krankheit»

➔ Zum Problem der Krankheitseinsicht bei Patienten mit Alzheimer-Demenz 

Entsprechend lehnen Betroffene erste Betreuungsversuche oder andere Hilfsangebote ab. Sie wollen weiter selbst Auto fahren, obwohl sie den Verkehr nicht mehr überblicken. Sie können nachts nicht schlafen und irren trotz aller Gegenrede durchs Haus; sie ziehen bei Minustemperaturen leichte Sommerkleidung an und ignorieren die bereitgelegte Winterkleidung.

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Versuchen Angehörige in solchen Momenten, die Betroffenen auf ihr absonderliches, teilweise gefährliches Verhalten hinzuweisen, kommt es leicht zu Konflikten: Bisher sanftmütige Menschen können sich dabei zu streitsüchtigen, aggressiven Personen entwickeln. Regelrechte Feindseligkeit, selbst gegenüber vertrauten Personen, zählt ebenfalls zu den ersten Anzeichen einer Alzheimer-Demenz

Abklärung immer wieder thematisieren

Bis ein Mensch einwilligt, sich auf Demenz abklären zu lassen, dauert es meist eine Weile. Es ist wichtig, dass die Angehörige und Freunde den Gang zum Arzt immer wieder thematisieren, dabei aber die Betroffenen ernst nehmen, sie oder ihn nicht von oben herab behandeln. Wichtig ist auch ein Arzt, zu dem der Betroffene Vertrauen haben und der gut mit ihnen kommuniziert.

Quelle YouTube

Der medizinische Fachbegriff für fehlende Krankheitseinsicht bei Demenz lautet «Anosognosie». Das Wort verweist auf die Hirnschädigung, die dem pathologischen Nichterkennen einer Krankheit vorausgeht. Menschen mit einer Anosognosie können deshalb nicht oder nur begrenzt verstehen oder verarbeiten, dass sie wirklich ernsthaft krank sind. 

➔ Hier gibt es Hilfestellungen im Umgang mit Diagnose und Aufklärung bei Demenz 

Vor diesem Hintergrund ist es von umso grösserer Bedeutung, dass Betroffene Vertrauen haben können in die Menschen, die sie umgeben – seien es Angehörige, Pflegekräfte oder Ärzte. Die Basis für solches Vertrauen ist Grundsätze wie Achtung der Würde und Autonomie der Betroffenen sowie Wahrhaftigkeit und Respekt im Umgang mit ihnen.

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