Rituale
Rituale folgen einem immer gleichen Ablauf. Sie vermitteln Stabilität, Orientierung, Geborgenheit, Trost und glückliche Momente. Für Menschen mit Demenz und ihre Betreuenden können Rituale im Alltag, etwa beim Essen oder der Körperpflege, den entspannten Umgang miteinander fördern.
Der Begriff Ritual leitet sich vom lateinischen «ritualis» ab und bedeutet «den religiösen Brauch betreffend». Laut Wikipedia wird mit Ritual eine Handlung beschrieben, die nach vorgegebenen Regeln abläuft, meist formell ist und oft auch eine feierliche Handlung mit hohem symbolischem Gehalt darstellt. Rituale können religiöser oder weltlicher Art sein, zum Beispiel Gottesdienste, Hochzeiten, Begräbnisse, Aufnahmefeiern oder Begrüssungen.
Rituale finden als geregelte Kommunikationsabläufe oft in Gruppen statt. Sie können aber als festgelegte Handlungsweisen auch das Verhalten von Einzelnen beschreiben. Die Grenzen zwischen Ritualen und Routinen sind fliessend, letztere bezeichnen eher regelmässige und gleichförmige Handlungen, die quasi automatisch ablaufen. Bei Ritualen dagegen konzentrieren sich die Ausführenden meistens auf ihr Tun und erleben es sehr bewusst.
Wirkung von Ritualen
Rituale vermitteln Halt und Orientierung, weil sie auf gleichförmige, eingeübte Verhaltensweisen zurückgreifen, die der Einzelne unter Kontrolle hat und sicher beherrscht. Werden Rituale gemeinsam vollzogen, fördern sie das Gefühl der Zugehörigkeit und die gegenseitige Verständigung. Routinen und Rituale können ausserdem Erinnerungen wecken und Trost sowie Geborgenheit geben.
Bei der Bewältigung von schwierigen Lebenssituationen spenden Rituale Kraft und helfen Übergänge zu gestalten, etwa nach dem Verlust eines geliebten Menschen. Mitunter rufen Rituale auch Glücksmomente hervor und können dazu beitragen, dass Menschen zufriedener oder erfolgreicher sind.
Viele Spitzensportler zum Beispiel pflegen vor oder während des Wettbewerbs persönliche oder gemeinsame Rituale, etwa bestimmte Erfolgs- und Siegesgesten oder eine bestimmte Mahlzeit vor dem Start. Das reduziert offenbar den Stress, fördert die Konzentration und motiviert zu hohen Leistungen.
➔ Hier geht es zu einem Artikel, der die Wirkung von Ritualen aus psychologischer Sicht erläutert
Rituale und Demenz
Für Menschen mit Demenz können Rituale und Routinen eine wichtige Bedeutung haben. Sie strukturieren ihren Tagesablauf und vermitteln ihnen Stabilität, Sicherheit und Geborgenheit. Auch Angehörige oder Pflegekräfte können von Ritualen profitieren, denn sie sorgen oft für einen entspannteren und liebevolleren Umgang miteinander. Überdies helfen manche Rituale den Betreuenden dabei, gelassener und besonnener mit ihrer Arbeit oder mit damit verbundenen Konflikten umzugehen.
Oft haben Rituale und Routinen für demenziell Erkrankte auch einen positiven Symbolgehalt, der nicht so schnell in Vergessenheit gerät. So kann ihnen zum Beispiel die morgendliche Zeitungslektüre extrem wichtig sein, auch wenn sie die Inhalte nicht mehr verstehen oder gar nicht mehr lesen können.
Mitunter empfinden Aussenstehende solche Verhaltensweisen als schrullig und haben wenig Verständnis dafür. Es ist aber wichtig, Gewohnheiten und Rituale, die nicht den Verhaltensnormen entsprechen, zu unterstützen, denn sie beruhigen die Betroffenen und erleichtern ihnen die Orientierung im Alltag.
Rituale können gerade im Frühstadium der Demenz eine bedeutende Rolle spielen. Viele Betroffene und ihre Angehörigen durchlaufen dann einen schmerzhaften Prozess der Veränderung und des Abschieds vom gewohnten Leben. In dieser schwierigen Situation können Rituale Halt oder Geborgenheit geben und helfen, Ängste zu bewältigen. Für religiös geprägte Menschen können das zum Beispiel Gebete oder Gottesdienstbesuche sein. Selbst bei fortgeschrittener Erkrankung wecken solche spirituellen Rituale positive Erinnerungen und regen die Sinne an.
Links und Literatur
➔ Hier gibt es Tipps und Anregungen für Ritualen bei der Pflege von Menschen mit Demenz
➔ Maria Katulek, Menschen mit Demenz spirituell begleiten, Schwabenverlag, 2018
➔ Hier geht es zu einem Bericht über Gottesdienste, die sich speziell an Menschen mit Demenz richten
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