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Aggression

Menschen mit Demenz können aggressiv werden, wenn sie Situationen nicht verstehen und überfordert sind. Für die Betreuenden bedeutet dies: Ruhe bewahren und empathisch sein. Noch besser ist es, wenn sie die frühen Warnzeichen erkennen und verstehen.

Aggression kommt aus dem Lateinischen aggressio und bedeutet: sich nähern, angreifen. Im Tierreich ist aggressives Verhalten weit verbreitet, weil es um Ressourcen oder um Nahrung geht. Aggressionen gehören auch zum menschlichen Verhalten. Sie entstehen, wenn wir frustriert oder gestresst sind.

Die Pflege eines Menschen mit Demenz erfordert viel Geduld und Kraft. Oft verändern sich im Verlauf der Krankheit der Charakter und das Verhalten. Zum Beispiel kann sich eine betroffene Person über Banales aufregen. Manchmal fallen Reaktionen auch heftiger aus: Einige Demenzkranke können verbal auffällig werden, andere Menschen beschimpfen oder anschuldigen. Oder sogar kneifen, beissen oder schlagen.

Schmerzen, Frustration, Angst usw. als Ursachen

Manchmal sind körperliche Schmerzen die Ursache für Unruhe und Aggression. Menschen mit Demenz können meist nicht mehr äussern, wenn ihnen etwas weh tut. Wer das Essen verweigert, hat vielleicht Zahn- oder Bauchschmerzen. Oft sind andere Gründe zu nennen, wie etwa Überforderung, Verunsicherung, Angst, Frustration, die in Aggression umschlagen können.

Für Angehörige und Pflegende ist es schwierig, dies zu ertragen. Wenn inkontinente Patienten beispielsweise nicht verstehen, was bei der Intimpflege mit ihnen passiert, deuten sie diese als Angriff. Sie schieben die Pflegenden weg oder versuchen, sie zu schlagen.

Beispiele für herausforderndes Verhalten 

  • Sagt der Vater, dass er sich mit Freunden zum Skatspielen verabredet hat, obwohl diese schon lange tot sind? Dann wird er wütend, wenn man widerspricht.
  • Verlegt Ihr eifersüchtiger Mann seinen Hausschlüssel immer wieder und behauptet, Sie hätten ihm den Schlüssel weggenommen, um ihn zu Hause einzuschliessen, damit Sie zu einem anderen Mann gehen können?
  • Haben Sie sich viel Mühe gegeben, etwas Leckeres zuzubereiten und der demenzkranke Angehörige schmeisst «den Frass» einfach auf den Boden? 
Quelle YouTube

Die Demenzformen beeinflussen die Symptome. Patienten mit frontotemporaler Demenz sind häufig stark enthemmt. Versucht man, diese Enthemmung zu bremsen, können sie aggressiv werden. Bei vaskulärer Demenz können starke Stimmungsschwankungen zu Aggressionen führen, bei Alzheimer-Demenz sind es eher Wahnsymptome: Patienten, die glauben, sie werden vergiftet, wehren sich entsprechend gegen die Medikamentenaufnahme.

Doch selbst wenn man alle möglichen Gründe für Verhaltensstörungen eruiert, wird man sie nicht immer ohne Medikamente lindern können. Das muss der behandelnde Arzt in Absprache mit den Pflegenden und Angehörigen entscheiden.

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«Irgendwann kommen die Arrangements an ihre Grenzen»

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Wie auf Aggressionen reagieren?

Neun Tipps für Heim und Zuhause von Heidi Baschek (57), examinierte Altenpflegerin, und Ellen Panke, Krankenschwester

1. Die Situation verlassen 

Ich komme ins Zimmer und der Patient reagiert ungehalten und ablehnend. Dann sage ich oft: «Einen kleinen Moment bitte, ich komme gleich wieder.» Ich verlasse also die Situation und diese Unterbrechung nimmt oft die Anspannung raus. Je nach Demenzform kann es passieren, dass der Patient sich gar nicht mehr erinnert, dass ich diejenige bin, die kurz zuvor schon einmal ins Zimmer gekommen ist. Auch ich selbst habe mich dann meistens beruhigt und kann mich besser auf den Patienten einstellen. 

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Aushalten!

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2. Tief einatmen

Eine zweite Strategie, die bei mir gut greift: Tief einatmen und 21, 22, 23 … zählen. Dabei werde ich tatsächlich ruhiger

3. Wertschätzend reagieren

Diese Herangehensweise ist die Beste: Ich reagiere wertschätzend. Das heisst, ich versuche die Situation umzudrehen und deeskalierend auf den Patienten einzuwirken. Sofern er es zulässt, nehme ich Körperkontakt auf, berühre ihn am Arm oder an der Schulter und versuche ihn durch streichende Bewegungen zu beruhigen. Das funktioniert oft gut. Allerdings bin ich nicht immer dazu in der Lage. 

4. Den Patienten nicht am Kopf berühren

Man muss auch vorsichtig sein, ich habe schon einmal eine gewatscht bekommen. Wichtig ist, den Patienten in einer solchen Situation nicht am Kopf oder im Gesicht zu berühren, das wird leicht als Angriff empfunden

5. Langsam und mit tiefer Stimme sprechen

Mit tiefer Stimme, in kurzen Sätzen und langsam sprechen – das kann deeskalierend wirken. 

6. Aggression als Symptom betrachten 

Was mir hilft, wenn Demenzkranke aggressiv werden: Ich sage mir, dass es nicht sie selbst sind, die mich beschimpfen, dass es vielmehr die Krankheit ist, die sie so hat werden lassen. Ich versuche, die Aggression zu betrachten wie ein Symptom, ähnlich wie einen auffälligen Puls.

7. Anknüpfen an das, was den Patienten beschäftigt 

Eine andere gute Methode ist, sich auf die Wut des Patienten total einzulassen, seine Wahrheit nicht infrage zu stellen. Wenn mir ein 94-jähriger Patient mit abwehrenden Handbewegungen erklärt, er hätte jetzt keine Zeit für mein Anliegen, er müsse seine vierjährige Tochter aus dem Kindergarten abholen, dann erkläre ich ihm nicht, dass seine Tochter inzwischen Ende 50 ist und nicht mehr in den Kindergarten geht.

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«Das hält kein Mensch aus!»

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Vielmehr versuche ich das, was ich pflegerisch plane, mit seinem Wunsch zu verbinden. «Ja, Sie sind ein zuverlässiger Mann, Sie wollen nicht zu spät kommen, das verstehe ich. Aber vielleicht darf ich Ihnen vorher dabei helfen, ein wenig gut auszusehen.» So oder ähnlich versuche ich ihn abzulenken. Das funktioniert meistens. 

8. Lachen erlaubt!

Was für mich ganz allgemein im Umgang mit Demenzkranken ebenfalls wichtig ist: Man darf lachen. Nicht über die Demenzkranken, aber mit ihnen. Wenn die Patientin sich etwa mit der Gabel die Haare kämmt: Dann lache ich nicht, weil sie etwas Lächerliches getan hat, sondern weil die Assoziation, die sie hat, für mich sogar irgendwie nachvollziehbar ist und mir Freude bereitet. Das wiederum freut sie. Vielleicht lässt sich so manche aggressive Situation auflösen – das sollten wir häufiger probieren. 

9. Mit Kollegen über eskalierte Situationen reden

Nichtsdestotrotz: Es gibt immer wieder Situationen, in denen man die Geduld verliert, wenn Patienten zum Beispiel sehr persönlich werden oder einen unsittlich berühren. So etwas beschäftigt mich lange, weil ich dann glaube, professionell versagt zu haben. Andererseits: Erfolgreich ist man mit seiner Arbeit nur, wenn man menschlich bleibt und sich berühren lässt. Ideal ist, wenn man über solche Erfahrungen mit Kollegen sprechen und Lösungen finden kann. (Quelle www.pflege-online.de

Unterstützung und Hilfsangebote

Manchmal geht es trotz aller Strategien und Methoden nicht mehr. Für die Pflegenden ist es belastend, wenn Menschen mit Demenz schreien oder um sich schlagen, sobald sie gewaschen werden sollen. Es ist erschöpfend, wenn sie jede Nacht um Hilfe rufen (vor allem für zu Hause pflegende Angehörige).

Kein Mensch hat die Kraft, dies über längere Zeit allein auszuhalten. Manchmal helfen alle Tipps zur Deeskalation nicht mehr weiter. Dann braucht es Unterstützung. Entweder können die Aufgaben innerhalb der Familie verteilt werden oder man holt professionelle Hilfe. Ein ambulanter Pflegedienst oder eine Kurzzeitpflege verschaffen Pausen.

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«Auf demenzjournal.com und demenzwiki.com finden sich die Informationen, die ich gebraucht hätte, als ich in meiner Familie bei diesem Thema am Anfang stand.»

Arno Geiger, Schriftsteller (Der alte König in seinem Exil)

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«Muss eine Pflegekraft Schläge ertragen, verbale Aggressionen, verletzende Worte?» Plädoyer von Michael Schmieder, in dem er sich dafür ausspricht, einen Weg zu finden, der geprägt ist von Wertschätzung, Liebe und Beziehung:

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