Persönlichkeits-Veränderung
Dass sich die Persönlichkeit eines Menschen im Laufe des Lebens verändern kann, ist normal. Persönlichkeitsveränderungen können aber auch auf eine beginnende Demenz hinweisen. Für Angehörige sind solche Verhaltensabweichungen schwer nachvollziehbar.
Persönlichkeit ist ein zentraler Begriff der Psychologie, die damit das für eine Person charakteristische Muster des Denkens, Fühlens und Handelns beschreibt. Eine eindeutige Definition des Persönlichkeitsbegriffs gibt es nicht, vielmehr verfolgt die Wissenschaft verschiedene Ansätze zur Beschreibung, Entwicklung und Veränderung der Persönlichkeit.
Zur Benennung der Hauptdimensionen der Persönlichkeit dient der Forschung in der Regel das Fünf-Faktoren-Modell:
- Neurotizismus (emotionale Labilität)
- Intro- oder Extroversion
- Offenheit
- Verträglichkeit
- Gewissenhaftigkeit
Studien zeigen, dass sich diese Faktoren während der Lebensspanne eines Menschen durch Schicksalsschläge oder sehr positive Lebensereignisse stark verändern können. Oft werden Persönlichkeitsveränderungen aber auch als Anpassung an neue soziale Rollen, etwa den Eintritt ins Berufsleben oder Elternschaft, beobachtet.
Forschungen ergaben, dass eine Persönlichkeitsveränderung im Alter besonders häufig vorkommt. Die Verträglichkeit und die emotionale Labilität nehmen meistens zu und die Extrovertiertheit sowie die Offenheit ab, weil ältere Menschen wahrscheinlich eher mit inneren Themen beschäftigt sind und neue Entdeckungen weniger wichtig werden.
Bei der Ausgestaltung der Persönlichkeit sind viele Bereiche des Gehirns beteiligt, die wichtigsten befinden sich im vorderen Teil des Gehirns und im so genannten limbischen System, das vor allem an der Verarbeitung von Gefühlen beteiligt ist.
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Persönlichkeitsveränderung und Hirnschädigung
Neben psychischen Erkrankungen können Schädigungen des Gehirns, etwa durch einen Unfall oder Schlaganfall, zu Persönlichkeitsveränderungen führen. Besonders oft ist dies der Fall, wenn der vordere Hirnbereich geschädigt ist.
Typisch dabei sind folgende Persönlichkeitsveränderungen:
- Schwierigkeiten, zielgerichtete Aktivitäten über längere Zeiträume hinweg durchzuhalten
- Mangelnde Frustrationstoleranz
- Emotionale Labilität, etwa Witzelsucht, Wutanfälle oder Apathie
- Missachtung von sozialen Normen, etwa Vernachlässigung der Körperpflege oder Distanzlosigkeit
- Störungen der Wahrnehmung und des Denkens, wie übertriebenes Misstrauen oder exzessive Beschäftigung mit einem Thema
- Auffällige Veränderungen in der Sprachproduktion
- Fehlende Krankheitseinsicht
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Demenz und Persönlichkeitsveränderung
Hirnschädigungen verursachen unter anderem auch die bei Demenzkranken häufig auftretenden Wesensänderungen. Besonders ausgeprägt sind sie bei der Frontotemporalen Demenz – bei den Betroffenen treten markante Verhaltensauffälligkeiten meist schon bei Krankheitsbeginn auf. Dazu zählen exzessives Essverhalten, anzügliche Bemerkungen, Witzelsucht und Vernachlässigung der Körperpflege.
Bei anderen Demenzformen stehen Persönlichkeitsveränderungen anfangs weniger stark im Vordergrund. Auffällig ist dann vor allem die Vergesslichkeit. Grundsätzlich kann das ängstliche oder aggressive Verhalten von Menschen mit Demenz aber auch als Reaktion auf die Verunsicherung interpretiert werden, welche die Krankheit für sie mit sich bringt.
Zu Beginn der Erkrankung fühlen sie sich von ihrer Desorientierung bedroht und reagieren darauf mit ungewohnt heftigen Wutausbrüchen oder tiefer Traurigkeit. Im späteren Krankheitsverlauf ist das auffällige und oft befremdliche Verhalten von Menschen mit Demenz die einzig verbleibende Möglichkeit sich mitzuteilen, ihre Überforderung oder ihr Unbehagen zu signalisieren und in Kontakt mit anderen zu treten.
Für Angehörige ist es schwer zu verstehen, dass sich eine einst sanftmütige Person hochaggressiv verhält oder ein vormals sehr geselliger Mensch völlig menschenscheu wird. Für die Betroffenen selbst ist ihr Verhalten aber die logische Reaktion, ihre Bedürfnisse und Empfindungen mitzuteilen.
Deshalb ist es wichtig, Veränderungen in der Persönlichkeit von Menschen mit Demenz ernst zu nehmen. Sie bildet sie sich entgegen vieler Ansichten nicht zurück. Der Betroffene bleibt über den ganzen Krankheitsverlauf hinweg «er selbst» mit all seinen Eigenarten. Und so sollte er auch wahrgenommen werden.
Links und Literatur
➔ Tim Kitwood, Demenz – Der personzentrierte Ansatz im Umgang mit verwirrten Menschen, Hogrefe, 2019
➔ Hier gibt’s Informationen zu Umgang und Kommunikation der Deutschen Alzheimer Gesellschaft
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