Symptome
«Kognitiv» bezieht sich auf Hirnleistungen wie Gedächtnis, Sprache, Rechnen, Erkennen, Denken, Urteilen oder Problemlösen. Demenz ist ein Oberbegriff für alle Diagnosen, die diese Leistungen mindern. Demenz kann aber auch das Verhalten verändern. Die Symptome sind breit gefächert.
Wenn wir älter werden, lässt unsere Leistungsfähigkeit nach – die geistige und die körperliche. Wir nehmen Informationen nicht mehr so schnell auf wie früher, verarbeiten sie auch nicht mehr so rasch und vergessen sie schneller. Das ist eine normale Entwicklung.
- Diese Symptome können auf eine Demenz hinweisen
- 1. Kognitive Symptome
- 2. Sprachstörung (Aphasie)
- 3. Störung des Erkennens (Agnosie)
- 4. Störung erlernter Handlungen (Apraxie)
- 5. Störung der Exekutivfunktion (Dysexekutives Syndrom)
- 6. Depression
- 7. Angst
- 8. Verhaltensstörungen: Unruhe, Impulsivität, Aggressivität…
- 9. Antriebsstörungen: Apathie, Interesselosigkeit
- Verdacht, Symptome und Diagnose
- Links und Literatur
Der Abbau kann verstärkt werden durch einen Mangel (zum Beispiel Flüssigkeit, Mineralstoffe), durch psychische Erkrankungen wie eine Depression – oder durch eine Demenz. Bestimmte Anzeichen können auf eine demenzielle Erkrankung hindeuten:
Menschen mit Demenz haben zunehmende Schwierigkeiten,
- sich neue Informationen einzuprägen
- die Konzentration auf einen Gedanken oder Gegenstand zu richten
- sich sprachlich (in Wort und Schrift) auszudrücken
- die Mitteilungen anderer zu verstehen
- Situationen zu überblicken
- Zusammenhänge zu erkennen
- zu planen und zu organisieren
- sich örtlich und zeitlich zurechtzufinden
- mit Gegenständen umzugehen
- komplexe Aufgaben zu erledigen (zum Beispiel kochen)
Die Fähigkeiten sind dabei so weit eingeschränkt, dass gewohnte Alltagstätigkeiten nicht mehr wie zuvor ausgeübt werden können. Meist kommen zu den kognitiven Einschränkungen Veränderungen des Sozialverhaltens, der Impulskontrolle, des Antriebs, der Stimmung oder des Wirklichkeitsbezugs hinzu. Manchmal stehen diese sogar ganz im Vordergrund. Gefühlszustände wie Depression, Angst oder Unruhe können die kognitiven Fähigkeiten zusätzlich herabsetzen (Quelle: Deutsche Alzheimer Gesellschaft).
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Kognitive Symptome
Gedächtnisstörungen (Amnesie) bilden das bekannteste und meist erste Anzeichen von demenziellen Erkrankungen, vor allem bei Alzheimer. Zuerst geht das Kurzzeitgedächtnis verloren: Betroffene wissen nicht mehr, was vor einer Minute passiert ist. Wenn die Krankheit fortschreitet, gehen auch immer mehr Informationen aus dem Langzeitgedächtnis verloren.
Eine weitere Folge der Amnesie ist die Desorientierung, die zeitliche, aber auch die örtliche. Diese zeigt sich zuerst in unbekannter Umgebung, später auch im gewohnten Umfeld. Sie kann so weit führen, dass ein Mensch seine eigene Wohnung nicht mehr erkennt und verlangt, nach Hause gehen zu dürfen.
Auch die Orientierung in Situationen verändert sich. Menschen mit Demenz erinnern sich nicht mehr an die Regeln des Zusammenlebens. Beispielsweise lassen sie andere nicht aussprechen. Irgendwann wissen sie ihren eigenen Namen nicht mehr und verlieren die Orientierung zu sich selbst.
Sprachstörung (Aphasie)
Schon bei beginnender Alzheimer-Krankheit haben Betroffene meist Probleme mit der Wortfindung. Statt der richtigen Worte werden Umschreibungen oder falsche Wörter verwendet (Paraphasie). Im Verlauf der Erkrankung werden diese Probleme immer ausgeprägter, die Sprache wirkt unorganisiert.
Im fortgeschrittenen Stadium können einzelne Silben ständig wiederholt werden (Logoklonie). Von einer Echotalie spricht man, wenn eine Person automatisch die Worte wiederholt, die an sie gerichtet wurden. Die Sprache wird immer weniger, bis die Erkrankten schliesslich verstummen (Mutismus).
Störung des Erkennens (Agnosie)
Agnosie ist die Unfähigkeit, Menschen oder Gegenstände zu erkennen, obwohl die Sinnesorgane, zum Beispiel die Augen, normal funktionieren. Angehörige werden nicht mehr erkannt, der volle Teller wird auf dem Tisch nicht als Nahrung wahrgenommen; umgekehrt werden nicht essbare Dinge in den Mund genommen und geschluckt.
Im fortgeschrittenen Stadium kann es vorkommen, dass sensorische Informationen aus dem Körper nicht mehr richtig interpretiert werden. Schmerzen, eine volle Blase oder Stuhlgang lösen lediglich Unruhe aus; eine angemessene Reaktion kann nicht ausgeführt werden.
Zu den grossen Schwierigkeiten im Alltag führt die Anosognosie, die Unfähigkeit, die eigene Erkrankung zu erkennen. Die Person ist sich nicht bewusst, dass sie an einer kognitiven Störung leidet. Sie meint, ihr fehle nichts, sie brauche darum keine Hilfe, und verweigert Pflegehandlungen.
Störung erlernter Handlungen (Apraxie)
Früher erlernte Handlungen können trotz intakter Muskel- und Gelenkfunktion verlorengehen. Einfache, oft realisierte Bewegungsabläufe bleiben länger erhalten, als komplexe, wenig eingeübte Bewegungsmuster.
Betroffenen stossen zunächst im Umgang mit komplizierten Maschinen an Grenzen, später treten Schwierigkeiten auch im Umgang mit Besteck oder beim Anziehen von Socken auf. Im weiteren Verlauf fallen Tätigkeiten wie Schlucken und Gehen schwer, weshalb Betroffene zunehmend auf Unterstützung angewiesen sind.
Störung der Exekutivfunktion (Dysexekutives Syndrom)
Unter Exekutivfunktionen werden kognitive Fähigkeiten zusammengefasst, die für Planung, Ausführung, Kontrolle und Abfolge komplexer Handlungen erforderlich sind, zum Beispiel Kochen. Diese Fähigkeiten nehmen im Verlauf einer Demenz ab, ebenso die Fähigkeit zum abstrakten, logischen Denken und die Urteilsfähigkeit: Zum Beispiel werden Verkehrssituationen nicht mehr richtig eingeschätzt, sodass sich Betroffene in Gefahr begeben. Betroffene können ihre finanziellen Angelegenheiten nicht mehr regeln und gewähren fremden Menschen Einlass in ihre Wohnung.
Depression
Symptome einer Depression (unter anderem gedrückte Stimmung, Erschöpfung und Antriebslosigkeit) treten bei vielen Demenzbetroffenen auf. Besonders in der frühen Phase der Demenz sind sich Betroffene ihrer Fehlleistungen sehr bewusst. Sie reagieren gekränkt, traurig und verzweifelt, ziehen sich zurück und meiden Situationen, die sie überfordern können. Bei der Alzheimer-Erkrankung tritt im weiteren Verlauf die Depression in den Hintergrund.
Angst
Es macht Angst, wenn man im Alltag nicht mehr versteht, worum es geht, jedoch ahnt, dass man Bescheid wissen müsste. Wer sich verloren und fremd fühlt, bekommt Angst.
Verhaltensstörungen: Unruhe, Impulsivität Aggressivität
In mittleren Stadien der Alzheimer-Krankheit kommt es oft zu Unruhe. Betroffene wandern ziellos umher und möchten nach Hause. Es ist nicht klar, woher die Unruhe kommt. Womöglich ist sie Ausdruck einer Suche nach der verlorenen vertrauten Umgebung oder ein Versuch, zu kompensieren: Wer die Welt mit dem Verstand nicht mehr begreift, muss sie mit den Händen ergreifen oder mit den Füssen erlaufen.
Eine Beschädigung des Frontalhirns – wie bei der Frontotemporalen Demenz (FTD) – kann enthemmtes Verhalten zur Folge haben. Die Erkrankten können ihre Impulse nicht mehr kontrollieren und verhalten sich in einer Weise, die sie sich früher nicht erlaubt hätten. Häufig wehren sie Pflegehandlungen ab, weil sie nicht mehr verstehen, was mit ihnen geschieht.
Antriebsstörungen: Apathie, Interesselosigkeit
Apathische Menschen sitzen oder liegen regungslos da, haben kaum Antrieb und sprechen wenig bis gar nicht. Die Apathie setzt bei einer Demenz meist erst im mittleren oder späteren Stadium ein.
Symptome und Diagnose
Die oben genannten Symptome werden von den Betroffenen und ihrem Umfeld in der Regel wahrgenommen. Das Abwägen und Einordnen solcher Symptome sollte man aber den Fachpersonen überlassen, damit keine falschen Schlüsse gezogen und falsche Therapien angewendet werden.
Bei einem Verdacht empfiehlt sich zuerst ein Besuch beim Hausarzt. Falls sich der Verdacht erhärtet, wird der Hausarzt den Betroffenen an die Spezialisten der Memory Clinic (Schweiz), der Gedächtnissprechstunde (Deutschland) oder der Gedächtnisambulanz (Österreich) weiterverweisen.
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